Mai 02 2023

Kalamata, Dienstag der

Sturm vor Kalamata

Aus verschiedenen Gründen müssen wir leider viel früher als geplant zurück nach Kalamata. Nach dem kräftigen Nordwind der letzten Tage machen wir uns auf den Weg und verabschieden uns von Naoussa und den Kykladen. Einen Zwischenstopp wollen wir noch in Adamas auf Milos einlegen und etwas Diesel nachtanken. Wind erwarten wir erst von Montag auf Dienstag wieder. Darum werden wieder einige Maschinenstunden fällig.

Auf dieser letzten Reise für dieses Jahr gibt es keine Bilder. Wir sind nicht in der Stimmung. Dafür erwarten uns ein paar neue kleine und große Abenteuer.

Adamas liegt in einer großen Bucht auf der Nordseite von Milos. Fast ein kleiner Binnensee eingeschlossen von bizarren Felsformationen. Ich hatte mir Milos etwas wie ein Dornröschen vorgestellt. Weit gefehlt – Tourismus und eine gewisse Arroganz empfängt uns in der Marina.

Beim Anlegen mit Heckleine und Buganker versenke ich den Anker so ungeschickt, dass er in den Ketten der Betonverankerungen am Grund hängen bleibt. Wir kommen nicht mehr weg. Das wird mein erstes Bad in dieser Saison. Ca. 5 Meter muss ich runter um eine Sorgleine am Ankerbügel zu befestigen. Das Wasser hat immerhin schon knapp 17 Grad. Der Tanklaster mit dem begehrten Diesel ist bis dahin natürlich schon weg. Am nächsten Morgen will keiner kommen. Für 70 Liter – nee, vielleicht übermorgen. Na gut – es ist immerhin der 1. Mai. Also Taxi bestellen und mit unseren 5 Kanistern zur nächsten Tankstelle fahren. Macht 25€ extra.

Dann können wir endlich auslaufen. Noch 145 Meilen bis Kalamata. Bei 5 Knoten Fahrt also etwa 30 Stunden. Wir haben gerade das Nordkap der Insel gerundet als die Maschine anfängt zu stottern und ausgeht. Klasse! Genua gesetzt und bei dem minimalen Wind treiben wir mit etwa 1 Knoten zumindest in die richtige Richtung. Dreck ist im Tank und die Ansaugleitung verstopft. Ich brauche knapp 2 Stunden um einen Bypass zu legen. Jetzt haben wir nicht nur knapp Diesel, sondern auch noch ein Provisorium im Tank. Hoffentlich bleibt das Wetter ruhig.

Es wird eine lange Nacht. In den frühen Abendstunden runden wir das Kap Malea. Wind aus Ost soll erst in den frühen Morgenstunden kommen. Für Barbara, die immer noch etwas schwach ist, bereite ich die Seekoje vor. Wir hatten überlegt hinter dem Kap Malea noch eine Nacht zu ankern, aber die Windlage am letzten Kap vor Kalamata wird nicht besser. Von Kap Matapas bis Kalamata soll es dann wieder Flaute geben und wir brauchen den Wind.

Und dann!

Um drei Uhr in der Nacht kommt der ersehnte Ostwind. Der Wind steigt schnell auf 23 Knoten ca. 5-6 BF. Mit etwas gereffter Genua machen wir gute Fahrt. Immer wenn nur einer an Deck ist und Nachts sowieso, haben wir vereinbart, dass nicht nur Schwimmwestenpflicht ist, sondern ich auch nur angeleint aus dem Cockpit gehe. Barbara würde sonst keine Ruhe finden. Ihre größte Horrorvorstellung ist es aufzuwachen und allein auf dem Boot zu sein. Um sechs Uhr haben wir das Kap querab und der Wind steigt wie angekündigt auf etwas über 30 Knoten ( 7 BF ). Ich reffe die Genua weiter ein und ändere den Kurs. Dabei vertörnen sich die Schoten und ich muss die Luvschot losschneiden. Nicht schön, die Genua nimmt am Schothorn etwas Schaden.

Drei Stunden in die tiefe Bucht von Kalamata hinein und dann ist wie angekündigt Ruhe. Ich öffne die Luken und rufe herunter „Deckwaschung beendet“. Ich bin trief Nass und wechsel die Klamotten. Der Autopilot steuert und ich mache mir einen Kaffee.

Als ich wieder im Cockpit bin, stellt sich eine fürchterliche Kreuzsee ein. Hanapha macht Bocksprünge, driftet mit einem Knoten Strom im Kreis, mal vorwärts mal rückwärts und schlägt hart mit Bug und Heck in die See. Ich zögere die Maschine mit dem Provisorischem Tankanschluss zu starten. Nach 15 Minuten tue ich es dennoch. Dann trifft uns völlig unerwartet die erste Böe. Sie fällt quasi aus den Bergen hinab. Der Autopilot reagiert nicht mehr. Ich muss selbst steuern. Die Maschine läuft und die Genua ist vielleicht 1 QM gesetzt. Wir machen zwischen 7 und 9 Knoten Fahrt.  Die erste brechende Welle schlägt durch das Cockpit und ich bin wieder nass. Alle Luken dicht. Barbara sitzt in Decken eingekeilt im Salon. Die See ist weiß. Sekundenweise lasse ich das Ruder los um wieder Regenjacke und Weste anzulegen. Ich leine mich im Cockpit fest. An den Gebirgsgipfeln kündigen sich weitere schwere Böen an. Man sieht sie. Am Ufer steigt das Wasser auf . „Wassergeister“. Und die Böen treiben die Wellen vor sich her. Vier Stunden lang versuche ich den 2 Meter hohen Brechern auszuweichen. Auf diese kurze Entfernung zum Ufer bauen sie sich mit einer enormen Wucht auf und prallen immer wieder gegen unseren Kajütaufbau. Wir kränken start über. Erst kommt die Brechende See von der einen Seite, dann kommt das Wasser von der unten liegenden Seite wieder zurückgespült. Die Cockpitwanne ist ständig voll. Die Böen gehen rauf bis 45 Knoten, vielleicht mehr, ich habe keine Zeit den Windanzeiger ständig zu beobachten. Wir haben 9 BF – Sturm.

Die Maschine hat durchgehalten. Hanapha und wir auch. Am Nachmittag erreichen wir Kalamata. Aufklaren, Schiff sichern, Alles aus. Am Sonntag geht es mit der Fähre von Patras nach Ancona und dann zurück nach Verden.

 

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Apr 28 2023

Naoussa (Paros), Freitag der

Eingeweht in den Kykladen

wir liegen seit einigen Tagen in Naossa auf Paros. Wenn Syros die Hauptverwaltungsinsel der Kykladen ist, dann könnte man Paros, etwa 40 Kilometer weiter südlich, als das Zentrum bezeichnen. Noch liegt der Touristische Schwerpunkt auf Mykonos, aber die Menschen auf Paros geben alles um sie einzuholen. Jeder Quadratmeter am Hafen ist mit Tischen und Stühlen vollgestellt. Beinahe könnte man die Füße bei Essen im Wasser baumeln lassen. Der kleine Ort mit seinen engen und verschlungenen Gassen ist voll kleiner Tavernen und Geschäften. Im Schatten der weißen Häuser mit ihren typischen blauen Türen und Fensterläden kann man sich stundenlang aufhalten.

Wie die dänischische Südsee liegt im Süden von Paros und Naxos ein Inselparadies, welches langjährige Segler als die Malediven des Mittelmeer bezeichnen. Leider muss das noch warten. Seit drei Tagen haben wir einen starken Wind ( noch lange kein Meltemi ) aus Nord. Unangenehmer Schwell im Hafen läßt die Stunden lang werden. Nur wenige Charteryachten verlassen den Hafen. Morgen ist Samstag. Ein Termin, der den Chartercrews im Nacken sitzt.

 

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Apr 21 2023

Ermoupoli (Syros), Freitag der

Wir brauchen Proviant

Strom und Wasser sind nicht unser Problem. Unsere Energiebilanz geht trotzt Gefrierschrank auf und Wasser machen wir alle paar Tage, wenn wir die Maschine starten müssen um weiter zu kommen oder weil wir heißes Wasser brauchen. Aber unser Kühlschrank ist langsam leer. Wir brauchen dringend Käse, Aufschnitt, frisches Obst und Gemüse. Es gibt in den Kykladen nur einen Lidl, bei dem wir auch gutes Graubrot bekommen. Also machen wir uns auf den Weg.

Syros ist die Haupt- und Verwaltungsinsel der Kykladen. Die „Hauptstadt“ heißt Ermoupoli und liegt auf der Ostseite der Insel. Ein großer Hafen mit einer alten Werft und einer verfallen, aufgegebenen Marina biete Schutz. Aber leider auch enormen Lärm. Drei große Tanker und Frachter liegen in den Docks. Beinahe könnte man meinen man schaut auf Blohm und Voss. Die Sand-, und Dampfstrahler laufen fast ununterbrochen. Selbst nachts hört man noch irgendwelche Aggregate laufen.

Zwei Hügel und „das Dorf“ hinter dem Hafen bestimmen das Stadtbild. Auf jeder eine Kathedrale. Der Berg „Das Dorf“, auf dem die Katholische Bischofskirche liegt gehört eigentlich nicht zur Stadt. Den Berg hinauf liegen die Wohnhäuser als wollen sie die Kirche stürmen oder ihren Schutz suchen. Dem imposanten Stadt und Verwaltungskern mit seinem mächtigen Rathaus und Vorplatz am nächsten liegt die prachtvolle Kirche der Seefahrer, die von den griechischen Reedern gestiftet wurde.

Eingekauft haben wir auch. Kühl- und Gefrierschrank sind wieder voll und morgen wollen wir dem Lärm entfliehen.

 

 

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Apr 17 2023

Otzias (Kea), Montag der

Otzias im Norden von Kea

Die Luft ist voll vom Summen der Bienen in den Tamarisken. Wir machen einen Spaziergang durch die halbmondförmige Bucht von Kapelle zu Kapelle. Es ist still an diesem Morgen. Nach den Feierlichkeiten gestern am griechischen Ostersonntag schläft der Ort noch. Ein alter Mann mit einem klapprigen kleinen Transporter sammelt den Müll vom Feuerwerk ein. Ein anderer geht den Strand mehrfach entlang. Frühsport. In die Berge will wohl keiner hochlaufen.

Am Samstag waren wir aus Vourkari Anker auf gegangen und die 5 Meilen an die nördliche Spitze von Kea gefahren. Froh dem Bojen Feld entkommen zu sein. Ein leichter Nordwind und noch ordentlicher Schwell haben uns begleitet und wir waren erst unsicher ob die Bucht geeignet ist.

Nun sind wir froh hier zu sein. Die Bucht ist wunderschön. An den Berghängen liegen mehr oder weniger schöne Villen und Ferienhäuser. Gegen Abend kommt der eine oder andere Segler in die Bucht. Aber hier ist noch jede Menge Platz. Auch schon die ersten Charteryachten. Vollbeladen mit 10 oder mehr jungen Leuten: „Die müssen sie unter Deck wohl gestapelt haben“. Das wäre nichts für uns.

 

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Apr 14 2023

Vourkari (Kea) vor Anker, Freitag der

Ankerübungen auf Kea

Am 12. April in aller frühe legen wir ab. Wecken war um  5:00. Seeklar machen; 7:00 Auslaufen! Wir wollen auf unsere erste Kykladen Insel. Aber bis Kea sind es auch immerhin 45nm. Wir rechnen mit einem langen Tag. Dafür haben wir heute gutes Segelwetter. Der Wind dreht wie versprochen erst auf Nordwest und wir machen gute Fahrt. Unser Log zeigt wie immer etwa einen halben Knoten mehr an, als wir tatsächlich sind, aber wir erreichen doch unsere 6 Knoten.

Am Freitag soll es wieder mehr Wind geben. Bis 36 Knoten Wind (7BF) sind angekündigt und wir suchen uns die tief eingeschnittene Bucht von Korrisia und Vourkari aus. Leider ist ab der 10 Meter Tiefenlinie alles vollgestopft mit Mooring Bojen. Wir versuchen es dennoch auf ca. 8 Meter mit dem Bewusstsein, dass sollte der Wind drehen, wir ein Problem haben werden. Toll! Ankerwache und Kontrolle alle 30 bis 45 Minuten. Am nächsten Morgen verholen wir den Anker aus diesem Bereich und gehen auf 11 Meter Tiefe. Schlamm und Kraut. Vor uns die Anker der Motoryachten, die am Pier liegen. Hinter uns die Felsen. Am Freitag bei 30 Knoten Wind gibt der Anker auf und fängt an zu rutschen. Wir holen das Eisen herauf und dümpeln eine Weile bei Fall Böen aus allen Richtungen herum. Die Mooring Bojen sehen doch irgendwie einladen aus und wir ergreifen uns eine davon. Freitagabend. Der Wind ist vorbei und wir liegen sicher an der Mooring. Die dritte Nacht können wir wieder durchschlafen.

 

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Apr 09 2023

Poros, Sonntag der

Poros am Sund

Der kleine Ort Poros auf einem südwestlichen Zipfel der gleichnamigen Insel ist ein echtes Kleinod. Mit dem Festland bildet er einen Sund, durch den ein Fahrwasser führt. Es ist viel Betrieb. Fähren nach Piräus, Freizeitboote, Charteryachten und Fischer tummeln sich hier. Wir liegen längsseits an der Promenade mit ihren Geschäften und Restaurants. Hinter der Promenade führen schmale Gassen den Hügel hinauf bis zur alten Turmuhr.

Die großen Charterbasen von Athen sind nicht weit weg. Die Schnellfähre benötigt nur etwa eine Stunde. Das macht sich bemerkbar und im Gegensatz zu den bisherigen Orten, die noch halb im Winterschlaf liegen sind hier schon viele Touristen aus allen Ländern unterwegs. Wir mischen mit. Schiffe gucken und Schaufensterbummeln. Es gibt einen gut sortierten Yachtausrüster und wir kaufen einen neuen großen Kugelfender. Die Restaurants sparen wir uns dieses Mal. Auch wenn wir nach drei Tagen schon mit einem Schulterschlag lächelnd aufgefordert werden: „Komm, Komm, gutes Essen, frischer Fisch“. Natürlich auf Griechisch.

 

 

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